Interview mit Oliver Rehbach: „Spielen ist unser angeborenes Lernprogramm.“

Es gibt Menschen, die fühlen sich wohl, wenn die Eckpfeiler ihres Lebens an derselben Stelle verharren. Das gibt ihnen ein Gefühl von Sicherheit. Und es gibt Menschen, die all das, was sie noch nicht kennen und können als Potenzial betrachten und gerne zu neuen Ufern aufbrechen. Zu diesen Menschen zählt Oliver Rehbach, Inhaber von freiraum 33.

Skeptiker erklärten ihn für verrückt, als er 2005 in seiner Heimatstadt eine Fußballhalle eröffnete. Heute, 14 Jahre später, blickt er auf erfolgreiche Kooperationen mit der TUI, adidas und namhaften Fußballvereinen zurück und schließt das Kapitel. In Zukunft bietet er als Potenzialcoach ein offenes Spielfeld für Menschen, die sich persönlich weiterentwickeln möchten.

Ein spannendes Thema in Zeiten von New Work. Wie für Oliver als Fußballtrainer, Brainkinetik®-Gesundheitsmentor und nlpk®-Master die Zukunft der Arbeit mit Veränderungen, unserem Gehirn und Spielen zusammenhängt, verrät er uns in diesem Interview. Viel Spaß beim Lesen!  

New Work bedeutet einen Umbruch, der unsere Arbeitswelt von Grund auf neu formt. Es wird nicht mehr den einen Beruf geben, den wir vom jungen Erwachsenenalter bis zur Rente ausführen. Wir werden uns ständig an unser dynamisches Umfeld anpassen und uns mit unseren Talenten und Fähigkeiten auseinandersetzen müssen. Sich selbst zu verändern ist aber doch so verdammt schwer. Warum eigentlich?

Sich selbst zu verändern, bedeutet letztlich sein Gehirn zu ändern. Und das sträubt sich dagegen. Veränderung ist mit Aufwand verbunden und das erfordert Energie. Dem Gehirn geht es aber in letzter Konsequenz ums Überleben. Deshalb tut es alles, um Energie zu sparen.

Darüber hinaus birgt jede Veränderung ein gewisses Risiko. Alles Neue ist unbekannt und aus Hirnsicht „gefährlich“. Daher macht das Gehirn das, was es kennt und sorgt dafür, dass möglichst wenig Energie verbraucht wird. Veränderung ist somit etwas, das dem Gehirn quasi „gegen den Strich“ geht.

Du sagst, unser Gehirn ist veränderbar. Wie kann es einem Menschen gelingen, seine Gewohnheiten, Muster und festgefahrene Verhaltensweisen – und somit seine Persönlichkeit – zu ändern? Und warum sollte er das überhaupt wollen?

In der Tat. Wir wissen inzwischen – und das sage nicht ich, sondern die Wissenschaft – dass unser Gehirn veränderbar (plastisch) ist. Das heißt, es ist durchaus möglich, die aktuell bestehenden Gehirnstrukturen und die daraus resultierenden Verhaltensweisen zu verändern. Das ist vor allem für Menschen, die ihr Leben aktiv gestalten wollen, eine große Chance. Ein entscheidender Aspekt für die Veränderung von Gehirnstrukturen ist dabei die Freiwilligkeit. Wer sein Gehirn – und damit sich selbst – verändern will, dem stehen alle Türen offen. Um im Gehirn neue Verbindungen anzulegen, nutze ich in meinen Coachings den Körper.

Wer sich verändern will,
dem stehen alle Türen offen.

Das liegt wohl daran, dass Du aus dem Fußball kommst. Wenn Du heute mit Führungskräften an deren Potenzialentwicklung arbeitest, machst Du Dir die Ballsportart zunutze. Was hat es damit auf sich?

Im Fußball geht es genau wie in Unternehmen darum, gemeinsam etwas zu schaffen, das sich im Ergebnis als Gewinn für alle Beteiligten auswirkt. Es gilt, eine bestimmte Anzahl an Menschen (=Mannschaft) so zu verbinden, positionieren, einzustellen und zu führen, dass sie ihr Talent und ihre Fähigkeiten am gewinnbringendsten einsetzen können. Gelingt es mir als Führungskraft „mein Team“ entsprechend aufzustellen, bin ich erfolgreich und gewinne das Spiel.

Das Fußball-Prinzip hast Du auf Dein Coaching übertragen und lädst Deine Klienten dazu ein, auf dem Taktikbrett eine Partie mit Dir zu spielen. Warum ist Spielen Deiner Meinung nach so wichtig? Wir sind doch Erwachsene!

Spielen ist unser angeborenes natürliches „Lernprogramm“ und dominiert unser gesamtes Leben. Als Kind entdecken wir die Welt um uns herum spielerisch. Wir spielen verschiedene Möglichkeiten durch, um passende Lösungen zu entwickeln. Im Spiel haben wir Zugang zu unserer wahren Natur. Wenn wir dann noch dafür sorgen, dass wir unser Leben als Lieblings-Spiel betrachten und mit unseren Lieblings-Mitspielern spielen, macht es richtig Spaß.

Viele Unternehmen stellen einen Tischkicker und eine Tischtennisplatte auf, um ihren Mitarbeitern eine lockere Arbeitsatmosphäre zu bieten. Reicht das? Oder welche Art von Spiel brauchen wir, damit Unternehmen für die künftigen Herausforderungen gewappnet sind?

Eine Runde Tischkicker oder Tischtennis spielen sorgt mit Sicherheit für Abwechslung und Spaß. Doch dies ist zu einfach gedacht. Viel wichtiger ist es, eine natürliche Spielkultur zu installieren, die erlaubt, dass Menschen sich als Menschen begegnen und miteinander in Verbindung gehen. Dabei geht es vor allem darum, dass jeder Mitarbeiter an der passenden Position eingesetzt wird, um sein wahres und natürliches Potenzial zur Entfaltung bringen zu können. Dann wird die Arbeit zum (Kinder-)Spiel und macht mit Sicherheit genauso viel Spaß wie der Tischkicker.

Du hast selbst einen großen Schritt gewagt und Deine berufliche Existenz einmal auf den Kopf gestellt. Du löst Dich räumlich von einer rund 2.000 qm großen Fußballhalle und (fast) all den damit verbundenen Leistungen. Wie war der Veränderungsprozess für Dich persönlich?

Ich würde nicht sagen, dass ich meine berufliche Existenz auf den Kopf gestellt habe. Ich bin vielmehr meiner Leidenschaft konsequent gefolgt. Jetzt widme ich mich ausschließlich dem Menschen und nicht mehr „nur“ dem Fußballer. Dafür brauche ich kein Fußball-Center mehr, denn alles was ich für die Entwicklung eines Menschen benötige, trage ich in mir. Dieser Prozess dauerte immerhin 15 Jahre.

Die größte Herausforderung lag darin, auf Kurs zu bleiben, mich zu fokussieren und darauf zu vertrauen, dass es der richtige Weg ist. Dabei spielt das Loslassen von Dingen eine entscheidende Rolle. Das ist nötig, damit ich das, was ich tue, mit 100% Leidenschaft tun kann.

Professionell und kompetent unterstützt wurde ich im Prozess ja von Dir, wofür ich mich an dieser Stelle nochmal bedanke.

Deine Leidenschaft ist es, Menschen aus Ihrer Komfortzone zu holen und mit ihnen gemeinsam zu entdecken, was im Leben noch alles möglich ist. Für alle, die gerne ihr Potenzial entfalten möchten: Was ist Dein ultimativer Tipp für diejenigen, die spüren „Da geht noch was!“?

Ich möchte es mit einem Zitat aus einem Lied von Pur beschreiben:

„Trau dich nur zu spinnen, es liegt in deiner Hand. Komm mit. Auf deine eigene Reise. Komm mit und tu’s auf deine Weise. Komm mit mir ins Abenteuerland…“

Darum geht es: Mit dem Wissen, dass Veränderung möglich ist, das zu tun, was einem Spaß und Freude bereitet und darauf zu vertrauen, dass es gut geht.

Vielen Dank für das Interview, Oliver. Eine letzte Frage zum Abschluss: Hattest Du schon einmal Berührungspunkte mit LEGO® SERIOUS PLAY®? Und wenn ja, wie war’s für Dich?

Ja, ich hatte im Rahmen eines Seminars die Gelegenheit zu einer Runde LEGO® SERIOUS PLAY®. Für mich war der spielerische Ansatz sehr angenehm, da ich zum einen gerne spiele und zum anderen mit meiner „freiraum 33® -Spiel(feld)-Methode“ in ähnlicher Art und Weise arbeite. Es gibt nur eine Sache, die ich schade finde: Dass man das Spiel betont „seriös“ betitelt. Warum nicht einfach spielen?

Danke für den spannenden Einblick in Deine einzigartige Methode. Ich wünsche Dir alles Gute und viel Erfolg für Deinen weiteren Weg!

Weiterführende Informationen: freiraum33.eu

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