Keine Zeit für Innovation? 6 einfache Schritte, wie Sie sich kreative Freiräume schaffen

Der Kollege ist im Urlaub. Das neue Projekt geht an den Start. Die Termine sind eng getaktet. Der Papierstapel auf dem Schreibtisch wächst.

Wie soll da Zeit für neue Ideen bleiben?

Ich sage Ihnen: Das geht ganz einfach. Stellen Sie sich ein Samenkorn vor, das in die Erde fällt. Niemand bemerkt es. Erst, wenn es seinen Kopf durch die Erde schiebt und auf günstige Bedingungen hofft. An die 800 Jahre alte Eiche, die daraus entstehen kann, denkt dabei niemand. Aber ohne Samenkorn keine Eiche.

Was ich damit sagen will: Innovation darf nicht vom Ergebnis aus gedacht werden. Im ersten Schritt geht es um winzige Veränderungen in den Köpfen der Mitarbeiter. Sonst können innovative Ideen überhaupt nicht erst entstehen.

Es braucht keinen Projektplan, zusätzliche Meetings oder Lücken im Kalender, sondern einfache Routinen und ein paar Tipps und Tricks. Egal ob Sie Geschäftsführer, leitender Angestellter oder Fachkraft sind: Kreative Freiräume lauern überall. Auch da wo Sie gerade stehen oder sitzen und meinen Artikel lesen.

Es braucht einfache Routinen
und ein paar Tipps und Tricks.

Lassen Sie uns Ihren Arbeitsalltag gemeinsam so anpassen, dass er zum Nährboden für Ideen wird:

Schritt 1: Schaffen Sie Routinen. Kröten schlucken hilft.

Kennen Sie das? Sie setzen sich morgens an den Schreibtisch, sortieren Ihre Gedanken für den bevorstehenden Tag und es dauert nicht lange bis die ersten E-Mails und Anrufe eintrudeln – der Rest ist dann ein Selbstläufer?

Lassen Sie nicht zu, dass der Arbeitstag Sie im Griff hat. Übernehmen Sie die Kontrolle!

  • Gewöhnen Sie sich an, als erste Tat des Tages Ihre E-Mails zu beantworten und den Posteingang zu leeren.
  • Legen Sie im Anschluss die drei wichtigsten Ziele des Tages fest. Was wollen Sie heute unbedingt erreichen, um Ihrem Quartalsziel ein Stück näher zu kommen?
  • Und dann: Schlucken Sie die Kröte! Was sich verrückt anhört, ist eine unglaublich hilfreiche Methode, die ein fester Bestandteil meines Arbeitsalltags ist. Nehmen Sie sich die lästigste, heikelste oder schwierigste Aufgabe zuerst vor und erledigen Sie diese sofort. Sie werden sehen: Alle anderen Vorhaben werden Ihnen daraufhin sehr viel leichter von der Hand gehen. Was grundsätzlich immer hilft: Telefon aus. Outlook aus. Das geht sicher nicht immer, aber in Sequenzen, in denen Sie – wenn auch nur für kurze Zeit – konzentriert an einer Sache arbeiten, schaffen Sie erheblich mehr als sonst.

Schritt 2: Eliminieren Sie Zeitfresser. Adé Perfektion.

Das Pareto-Prinzip besagt, dass wir 80 % unserer Ergebnisse mit lediglich 20 % Aufwand erledigen könnten. Was das heißt? Dass wir zu viel Zeit mit Dingen verschwenden, die nicht förderlich für unser Ziel sind. Denken Sie mal an ein Projekt, das Sie vor Kurzem fertiggestellt haben. Welche Maßnahmen waren wirklich notwendig, um das entscheidende Ergebnis zu erzielen?

Fazit: Fokussieren Sie sich auf Ihre wichtigsten Aufgaben und eliminieren Sie Zeitfresser rigoros.

Die anstehende Besprechung?
Nur, wenn Sie einen entscheidenden Beitrag zur Diskussion leisten können oder einen großen Nutzen vom Termin haben.

Der Flug nach London?
Nur, wenn das Thema nicht auch per Video geklärt werden kann.

Die gebuchte Konferenz?
Nur, wenn Sie Impulse mitnehmen können, die Sie wirklich weiterbringen oder inspirierende Menschen treffen.

Im CC-Verteiler stehen?
Nur wenn die E-Mails für Sie von Bedeutung sind.

Die nächste Präsentation selbst vorbereiten?
Nur wenn die Aufgabe kein anderer übernehmen kann.

Schritt 3: Sagen Sie “Nein”. Machen Sie einen großen Sprung.

Immer wenn Sie zu etwas “Ja” sagen, entscheiden Sie sich gegen etwas anderes. Wenn Sie sich zur Abendveranstaltung des Wirtschaftsforums anmelden, entscheiden Sie sich gegen Zeit mit der Familie. Das kann durchaus Sinn machen. Es geht nur darum, dass Sie bewusst entscheiden. Wie oft übernehmen Sie Aufgaben, die ein anderer Ihnen zugeschoben hat? Kleine Gefälligkeiten? Bitten, die Sie nicht ausschlagen können?

Fragen Sie sich: Wofür möchte ich meine Zeit verwenden? Und richten Sie Ihre Entscheidungen danach aus. Dadurch vermeiden Sie, dass Sie kleine Schritte in alle möglichen Richtungen laufen anstatt einen großen Sprung in die gewünschte Richtung zu machen. Gewöhnen Sie sich an, Entscheidungen bewusst zu treffen und „Nein“ als Werkzeug für Ihren großen Sprung zu nutzen. Oder um es in Derek Sivers Worten auszudrücken: „If it‘s not a HELL YES, it‘s NO“.

Schritt 4: Sprengen Sie Ihre Routinen. Laden Sie Fremdes und Unbekanntes ein.

Jetzt denken Sie sich wahrscheinlich: “Alles klar … in Schritt 1 soll ich Routinen schaffen und in Schritt 4 soll ich sie wieder sprengen. Geht’s noch?”. Zurecht. Aber das macht durchaus Sinn. Ich erzähle Ihnen, worauf ich hinaus will:

In Schritt 1 haben Sie mit Ihren Routinen einen festen Rahmen für Ihren Arbeitsalltag geschaffen. Damit sind Sie derjenige, der die Zügel in der Hand hält. Das ist wichtig! Jetzt, in Schritt 4, sollen Sie lediglich die kleinen Gewohnheitstiere, die Sie innerhalb dieses Rahmens pflegen, aufgeben.

Stellen Sie sich jeden Tag die Frage: Was kann ich heute anders machen?

Essen Sie woanders. Nehmen Sie einen anderen Weg zur Arbeit. Kaufen Sie sich ein neues Magazin. Wechseln Sie die Tageszeitung. Lesen Sie fachfremde Artikel. Gehen Sie aktiv auf neue Kollegen zu. Suchen Sie sich unübliche Gesprächspartner. Wechseln Sie den Besprechungsraum. Übernachten Sie in einem anderen Hotel. Nutzen Sie eine neue Methode.

Es gibt unzählige Möglichkeiten, um Ihren Geist fit zu halten und mit neuen Eindrücken zu versorgen. Täglich eine Neuerung und Sie schaffen die besten Voraussetzungen für einen steten Ideenfluss.

Schritt 5: Schauen Sie hin. Ihr Umfeld steckt voller Inspiration.

Genau dort wo Sie sich jetzt befinden, schlummert eine Unmenge an neuen Ideen. Die Kunst ist, sie wahrzunehmen. Schauen Sie sich einmal um – was entdecken Sie? Welche Gegenstände stehen in den Regalen? Was hängt an den Wänden? Wie viele Griffe hat der Schrank? Von welchen Farben sind Sie umgeben? Wie sind die Oberflächen beschaffen? Hören Sie Geräusche oder Musik? Welche Wörter entdecken Sie auf Kalendern, Magazinen, Schriftstücken? Was fällt Ihnen noch auf?

All das erachten wir als selbstverständlich. Dabei sind diese Kleinigkeiten ein riesengroßer Pool, gefüllt mit Ideen, die wir für gewöhnlich wegwerfen. Wie leere Klopapierrollen. Wenn Sie Kindern eine dieser Rollen in die Hand drücken, entstehen im Nu Stiftehalter, Eierbecher, Adventskalender, Fernrohre oder lustige Figuren. Die Klopapierrolle ist ein Impuls, die Kinder blitzschnell mit Ihrer aktuelle Situation verknüpfen und in einen dazu passenden Gegenstand umwandeln.

Sie können mit den Eindrücken in Ihrer Umgebung genauso verfahren:
Was könnte der Spruch auf Ihrem Kalender zu einer aktuellen Fragestellung beitragen? Welcher Gegenstand hat ähnliche Merkmale wie ihr Produkt? Oder riskieren Sie doch mal einen Blick aus dem Fenster: Welches Naturphänomen könnte Vorbild für die Lösung eines (technischen) Problems sein?

Entscheidend ist, dass Sie die Augen offen halten. Alles um Sie herum ist ein potenzielles Ideensprungbrett. Sie müssen es nur nutzen.

Schritt 6: Schalten Sie ab. Die besten Ideen sitzen auf dem Klo.

Warum kommen uns die besten Ideen eigentlich unter der Dusche oder auf dem Klo? Weil unser Gehirn bei Routineabläufen nicht denken muss und sich entspannt. Unsere Gedanken schweifen ab, schlagen neue Wege ein und kommen zu Lösungen, die für uns in Zeiten der Anspannung kaum zugänglich sind. Was wiederum schwierig ist, weil ich annehme, dass Sie während der Arbeitszeit selten völlig gelöst sind.

Was können Sie tun, um Ihr Gehirn auch im Job in den Erholungsmodus zu versetzen, damit gute Ideen entstehen?

Schaffen Sie Rückzugsmöglichkeiten. Dass keine Zeit für Ideen bleibt, solange Sie von Besprechung zu Besprechung hetzen, liegt auf der Hand. Denken Sie an Pausen und planen Sie ruhig mal ein Date mit sich selbst ein. Gönnen Sie sich kurze Zeiträume, in denen Ihre Gedanken auf Wanderschaft gehen dürfen. Das heißt nicht, dass Sie Ihre Zeit im Unternehmen als Tagträumer am Schreibtisch verbringen sollen. Planen Sie lediglich ein paar Stoppstellen ein. Gerne auch mit Kollegen. Ein kurzer Plausch in der Kaffeeküche oder ein Spaziergang in der Mittagspause wirken wahre Wunder.

Fazit

Sie brauchen keine zusätzliche Zeit, wenn Sie kreativer sein oder ein kreatives Umfeld für Ihr Team schaffen wollen. Im ersten Schritt geht es um kleine Veränderungen, die viel bewirken: Die richtigen Prioritäten setzen, aus der Komfortzone ausbrechen, Neues und Unbekanntes willkommen heißen, Pausen einplanen und das eigene Umfeld als Ideensprungbrett nutzen. Das kann jeder. Und das Beste: Das passt alles in einen gewöhnlichen Arbeitsalltag.

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